3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie e.V.
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Aktuelles aus der Branche
Interview von top agrar (20.01.2026)
Torfersatz: Neues Geschäftsmodell für Biogasanlagen
Abseparierter Gärrest kann Torf in der Erdenindustrie ersetzen. Wie sich daraus ein Geschäftsfeld entwickeln kann und welche Rohstoffe gefragt sind, erklärt Sascha Hermus vom 3N-Kompetenzzentrum.
In Niedersachsen untersuchen Partner im Projekt BiToP, wie sich Gärrest aus Biogasanlagen als Torfersatz verwenden lässt. Das Projekt baut auf dem Vorgängerprojekt NaProBio auf. Die Abkürzung BiToP steht für „Prozessoptimierung eines Bioraffinationsverfahrens - Gärrestaufbereitung mit dem Ziel der Gewinnung von Torfersatzstoffen unter Praxisbedingungen an Biogasanlagen“. Projektpartner sind neben dem 3N Kompetenzzentrum das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ), Geltz Umwelttechnologie, der Erdenhersteller Gramoflor, die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim/Holzminden/Göttingen sowie die Vogelsang GmbH. Das Projekt wird über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.
Wir sprachen mit dem Projektkoordinator Sascha Hermus über die Chancen, die sich für Biogasanlagenbetreiber daraus ergeben können.
Wie unterscheidet sich das Projekt BiToP von dem Vorgängerprojekt?
Hermus: Im Projekt NaProBio haben wir verschiedene Wertschöpfungsketten untersucht. Dazu gehörte, wie sich aus Gärrest ein Torfersatzprodukt für den Gartenbau herstellen lassen kann. Jetzt geht es darum, wie sich das Verfahren auch in der Praxis umsetzen lässt. Ziel des Projektes ist es, das entwickelte Geltz-/NuTriSep-Verfahren an einer Biogasanlage in Malstedt im Landkreis Rotenburg-Wümme großtechnisch zu realisieren, technisch weiterzuentwickeln und die Verfahrenskette ökonomisch sowie ökologisch zu bewerten.
Welche Rolle spielt Gärrest als Torfersatz?
Hermus: Torfreduzierte und torffreie Pflanzerden, um die es hier geht, bestehen aus verschiedenen Komponenten wie Kompost, Holzfasern und Rindenhumus, Kokosfasern, mineralischen Zuschlagsstoffen und (organischem) Dünger. Gärrest kann dabei verschiedene Funktionen übernehmen. Wir arbeiten auch an Lösungen, um damit nicht nur Torf, sondern auch weitere Substratbestandteile zu ersetzen.
Warum das?
Hermus: Die Rohstoffe wie Holz, Rinde oder Kokosfasern stehen nicht in unendlichen Mengen zur Verfügung. Wenn sie knapp werden, steigt der Preis. Außerdem müssen sie teilweise importiert werden und ihre Verfügbarkeit ist auf Dauer nicht gesichert. Aus Sicht der Erdenindustrie wären regional erzeugte Ersatzstoffe sinnvoller, während Holz- oder Kokosfasern in anderen Industriezweigen eingesetzt werden könnten.
Welche wären das?
Hermus: Holz oder Kokosfasern könnte man beispielsweise im Bausektor oder für die Herstellung von Biopolymeren nutzen.
Wie groß wäre das Potenzial für Biogasanlagen, Torfersatzstoffe zu verkaufen? Wie viele Biogasanlagen könnten davon profitieren?
Hermus: Laut Zahlen des Industrieverbandes Garten benötigen wir für den deutschen Markt im Jahr rund 8 Mio. m3 Substrate. Würde man Gärrest von 50% aller Biogasanlagen separieren, kämen wir nach unseren Berechnungen auf ca. 8,3 Mio. m3 Feststoffe. Das bedeutet, dass fast der gesamte Gärrest von der Erdenindustrie aufgenommen werden kann – ein gigantisches Potenzial.
Die Nachfrage nach Gärrest würde also massiv steigen?
Hermus: Ja, davon gehen wir aus. Gerade mit Blick auf die unsicheren Rahmenbedingungen für Biogasanlagen wäre es wichtig, hier neue Wertschöpfungsketten aufzubauen. Wenn das Verfahren etabliert ist, rechnen wir mit langfristigen Abnahmeverträgen von ca. zehn Jahren. Das würde nicht nur Biogasanlagen helfen, die ans Ende ihrer 20jährigen EEG-Laufzeit kommen, sondern auch in der Landwirtschaft neue Wertschöpfung ermöglichen.
Bei vielen Produkten wie Biomasse von nassen Moorflächen (Paludi) gibt es immer wieder das Problem, dass die Industrie große Mengen in gleichbleibender Qualität fordert. Wie kann man das Problem bei den vielen dezentralen Biogasanlagen lösen?
Hermus: Wir haben beim Torfersatz den Vorteil, dass die Erdenhersteller bis 2030 anstreben, auf Torf als Komponente zu verzichten bzw. den Anteil stark zu reduzieren. Auch wenn das noch keine gesetzliche Grundlage ist, löst das aber auf jeden Fall eine große Nachfrage aus. Laut Aussage des Unternehmens Geltz benötigen wir zur Auslastung einer Nutrisep-Anlage zur wirtschaftlichen Herstellung von Torfersatz eine Menge von 15 bis 30.000 t Feststoffen im Jahr. Eine typische Biogasanlage mit 500 kW elektrischer Leistung kommt im Jahr auf ca. 1.500 t. Eine zentrale Anlage könnte also den Gärrest von 10 bis 20 Biogasanlagen verarbeiten. Die entsprechende Transportdienstleistung ließe sich beispielsweise über die örtlichen Maschinenringe organisieren. Sie sind gut vernetzt und können die nötige Logistik stemmen.
Festphase bedeutet, dass der Gärrest auf der Biogasanlage separiert wird?
Hermus: Ja, genau. Die Flüssigphase könnten die Biogasanlagenbetreiber als Dünger für den Ackerbau verwenden: Im eigenen Betrieb, aber auch bei umliegenden Berufskollegen. Damit würden sie Kosten für Mineraldünger einsparen und könnten mit dem Verkauf der Festphase nennenswerte Mehrerlöse erzielen. Mit diesem Vorgehen könnte man u.a. wirtschaftlichen Einbußen durch den Maisdeckel gegensteuern.
Wieso das?
Hermus: Die meisten alternativen Rohstoffe bringen weniger Gas als Silomais. Daher muss der Betreiber in der Regel größere Mengen vergären, um die gleiche Gasmenge produzieren zu können. Gleichzeitig fällt mehr Gärrest an. Wer also Mais reduziert, muss mehr Lagerraum schaffen, was teuer ist. Dazu kommt in der Regel neue Rühr- und Einbringtechnik. Wenn sich jetzt eine neue Wertschöpfung ergibt, könnten sich der Bau von neuen Behältern und andere Investitionen in Technik rechnen. Gleichzeitig könnte der Betreiber Rohstoffe anbauen bzw. verwerten, die am Ende mehr Fasern produzieren. Dazu gehört z.B. Landschaftspflegegras oder Blühpflanzen wie Silphie, Sida, aber auch andere Dauerkulturen wie Szarvasi-Gras.
Wenn Fasern gewünscht sind, müssten Anlagenbetreiber dann auf Aufbereitungs- und Zerkleinerungsverfahren verzichten? Das würde die Gasausbeute reduzieren und die Rührfähigkeit erschweren, oder?
Hermus: Soweit würde ich nicht gehen. Es gibt ja auch beim Torf verschiedene Varianten wie Weiß- oder Schwarztorf. Und auch bei den Kokosfasern haben wir unterschiedliche Qualitäten. Schon heute sind die Erdenhersteller gewöhnt, verschiedene Qualitäten entsprechend den Anforderungen zu mischen. Am Ende wollen wir in unserem Projekt auch herausfinden, mit welchem Ausgangsstoff und welchen Aufbereitungsschritten wir welches Produkt mit welcher Faserqualität erhalten. Schon bei NaProBio haben wir gesehen, dass selbst mechanische Zerkleinerung und Aufbereitung per Kavitation kein schlechtes Torfersatzproduktion liefert. Dazu kommt: Torfersatz ist ja nur eine mögliche Wertschöpfungskette.
Welche weiteren wären denkbar?
Hermus: Fasern aus Gärresten lassen sich auch zu Kartonagen verarbeiten. Die Nachfrage danach wächst. Dafür ist vor allem die Faser der Durchwachsenen Silphie gefragt. Eine weitere Erlösquelle könnte künftig der Verkauf von Humuszertifikaten sein. Auch dabei spielen Dauerkulturen eine große Rolle, die für eine gute Durchwurzelung sorgen.
Immer wieder gibt es Diskussionen um Humusabbau auf dem Acker. Könnte das Problem nicht verschärft werden, wenn wir die Fasern komplett aus der Landwirtschaft entfernen?
Hermus: Ja, das ist richtig. Darum sehen wir in Anbaubiomasse nur einen Teil der Lösung. Künftig könnten Materialien in Biogasanlagen verarbeitet werden, die bisher nicht infrage kamen wie Landschaftspflegematerial, der Aufwuchs von Nasswiesen oder Paludikulturen. Für diese Materialien gibt es aktuell noch keine praxistauglichen Wertschöpfungsketten. Hier könnten Biogasanlagen eine Lösung sein – gerade in Regionen, in denen viele Moorflächen wiedervernässt werden sollten. Wenn davon die Fasern entfernt werden, hat das für den Ackerbau keinen Nachteil. Die nötigen Mehrkosten für Enzyme oder mechanische Aufbereitungsverfahren könnten sich, wie gesagt, mit dem Mehrerlös aus dem Faserverkauf rentieren. Wenn wir beispielsweise mit Paludikulturen am Ende Torf ersetzen, haben wir den doppelten Klimaschutzeffekt: Weniger Emissionen durch die Wiedervernässung sowie weniger Torfabbau.
Könnte diese Entwicklung am Ende dafür sorgen, dass wir die beginnende Stilllegungswelle bei Biogasanlagen aufhalten können?
Hermus: Das würde ich mir wünschen, aber wir könnten leider für einige Anlagen mit unserem Projekt zu spät kommen. Denn noch stehen wir am Anfang. Erst in den nächsten 1 bis 2 Jahren würden die ersten schlüsselfertigen Anlagen stehen. Bis sich der Markt dann entwickelt, wird es also noch etwas dauern. Aber perspektivisch ist der Faserverkauf auch für Biogasanlagen interessant, die mehrfach überbaut sind und flexibel Strom produzieren. In Phasen mit geringerem Strompreis, wie wir es im Sommer haben, könnte man Substrate mit weniger Gasausbeute wie z.B. Gülle vergären, Feststoffe dagegen eher im Winter. Gleichzeitig könnte ich mir vorstellen, dass sich Erdenwerke und Jungpflanzenzüchter in verschiedenen Regionen ansiedeln, nicht mehr nur da, wo es viel Torf gibt, sondern künftig vielleicht auch da, wo es viele Biogasanlagen gibt. Der sich jetzt entwickelnde Markt könnte also viel bewirken.
Neumann, H. (2026): „Torfersatz: Neues Geschäftsmodell für Biogasanlagen“, top agrar – top plus, 20. Januar 2026.
Torfersatz: Neues Geschäftsmodell für Biogasanlagen | top agrar
Artikel von TASPO (47/2025)
Branchentag Erden und Substrate: Runder Tisch erwartet
Mit einem neuen Rekord von 220 Besucherinnen und Besuchern war der "Branchentag Erden und Substrate" am 6. November 2025 in Bad Zwischenahn, der in der Nachfolge des "Torf- und Humustags" steht, wieder ein voller Erfolg.
Philip Testroet, der stellvertretende Geschäftsführer des Industrieverbandes Garten IVG, berichtete, dass 2024 in Deutschland 7,9 Millionen Kubikmeter Substrate produziert wurden, davon 4,0 Millionen Kubikmeter für den Hobby- und 1,8 Millionen für den Profibereich in Deutschland. Weitere 0,9 Millionen Kubikmeter Hobby- und 1,2 Millionen Kubikmeter Profi-Erden wurden exportiert. Im Hobbybereich waren davon 1,1 Millionen Kubikmeter torffrei und im Profibereich 0,2 Millionen Kubikmeter. Hauptbestandteil auf dem deutschen Markt waren zu 44 % Weiß- und Schwarztorf (2,9 Millionen Kubikmeter), gefolgt von 26 % Grüngutkompost und 16 % Holzfasern. Dass der Anteil des Torfs seit 2019 von 70 % auf 44 % gesunken ist, sei ein deutlicher Fortschritt auf dem Weg zur Reduzierung seines Einsatzes.
Runder Tisch in Sicht
Ein großer Erfolg des IVG ist, dass das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMELH) dem vom IVG seit Langem geforderten "Runden Tisch" jetzt zugestimmt hat. Ein Termin steht zwar noch nicht fest, aber Testroet hofft, dass beim nächsten Branchentag Substrate in einem Jahr schon erste Ergebnisse vorgestellt werden können.
Ziel des "Runden Tisches" ist, ähnlich in den Niederlanden mit dem "Convenant", eine Übereinkunft aller Stakeholder der Politik, der Umweltverbände, der Erdenindustrie und dem Gartenbau darüber zu treffen, bis wann noch wie viel Torf eingesetzt werden darf sowie wo und unter welchen Bedingungen er gewonnen werden soll.
EU: Moorböden wiedervernässen!
Angelika Rubin von der Europäischen Kommission berichtete über die EU Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (Nature Restoration Regulation), die am 18.08.2024 in Kraft getreten ist. Ziel ist die Verbesserung der Situation der Umwelt und Natur in der EU in Hinsicht auf Biodiversität, Anpassung an den Klimawandel und Ernährungssicherheit. Die Staaten der EU müssen dadurch bis September 2026 Entwürfe für so genannte Wiederherstellungspläne vorlegen und diese bis September 2027 fertigstellen sowie veröffentlichen.
In Bezug auf Moore erklärte Rubin, dass die Situation im Vergleich mit anderen Habitaten besonders schlecht sei und daher Flächen, die schon unter Naturschutz stehen, verbessert und vergrößert werden sollten. Organische Böden (entwässerte Moore), die in der EU nur 3 % der landwirtschaftlichen Fläche ausmachen, aber für 25 % der landwirtschaftlichen CO2-Emisssionen verantwortlich seien, sollten im Sinne des Klimaschutzes möglichst wiedervernässt werden. Sie können dann zum Beispiel für Paludikulturen wie Torfmoos, Schilf oder Erlen genutzt werden. Rubin wies darauf hin, dass beim Ziel der EU, bis 2050 klimaneutral zu werden, die Kohlenstoffspeicherung in Wäldern und Mooren eine wichtige Rolle spielt.
Die Verordnung sieht vor, dass die Maßnahmen unter Beteiligung aller Betroffenen geplant werden sollten. Die Finanzierung dieser Maßnahmen sei komplex, aber in der EU gebe es bereits einige Möglichkeiten dafür, und außerdem werde über zukünftige Biodiversity Credit-Systeme nachgedacht.
Chinaschilf im Blick
Friederike tho Seeth von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Internationalen Miscanthus Society warb in einem Vortrag und einem Poster für den Einsatz von Riesen-Chinaschilf (Miscanthus x giganteus), das eine interessante, mehrjährige Kultur sei, die 25 Jahre lang kultiviert und beerntet werden kann. Als selbststerile Arthybride bringt es keine keimfähige Saat hervor, ist also nicht invasiv, benötigt wenig Pflanzenschutzmaßnahmen oder Dünger und bietet einen wichtigen Raum für Biodiversität. Zurzeit wird es hauptsächlich für Einstreu in Ställen genutzt, aber es ist auch gut für Substrate geeignet, als schneckenfeindliches Mulchmaterial und darüber hinaus auch für die Herstellung von Papier und anderen industriellen Rohstoffen. Da sein Volumen sehr groß ist, ist der Transport allerdings aufwendig und eine regionale Produktion empfehlenswert, getreu dem Motto "Aus regionaler Biomasse regionale Produkte herstellen".
Neben dem Poster von tho Seeth wurden auch ein Poster von Dr. Merle Gierga (JKI) zum Projekt ToSuGa gezeigt, in dem in Nachfolge des Projekts ToPGa die Eignung verschiedener torfreduzierter Substrate untersucht wird, und ein Poster von Maren Hantelmann und Christina Eilers (LWK Niedersachsen, LVG Bad Zwischenahn) zum Projekt ToBaNa, das sich mit den Aspekten der Nachhaltigkeit torfreduzierter und torffreier Substrate in Baumschulen befasst.
Holzfasern bis 150 °C pflanzenverträglich
Dr. Fokko Schütt vom Thünen-Institut für Holzforschung forscht zur Pflanzenverträglichkeit von Holzfasern, die bei der Produktion über 100 °C erhitzt wurden. Hintergrund ist die EU Düngeprodukteverordnung, die Holzfasern von der Vergabe des wichtigen CE-Kennzeichens ausschließt, wenn sie über 100 °C erhitzt oder mit Zusatzstoffen behandelt wurden. Besonders in Refiner-Anlagen sei diese Grenze schwer einzuhalten. Seine Untersuchungen zeigen aber, dass nach Produktionstemperaturen von etwa 100 – 150 °C keine Probleme mit der Pflanzenverträglichkeit auftreten, sondern erst darüber. Testroet versprach, dass der IVG nach der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse die Europäische Kommission damit konfrontieren und dadurch versuchen will sie dazu zu bewegen, die Temperaturgrenze von 100 °C anzuheben.
Mehr Pilze im Substrat
In torffreien und torfreduzierten Substraten steigt die Wahrscheinlichkeit der Besiedelung mit Pilzen, Substrat-Spezialist Gerald Schmilewski gab einen Überblich dazu: Er erklärte, dass die meisten Pilze zwar als Saprophyten keine Pflanzen befallen. Aber trotzdem könnten sie Probleme bereiten, zum Beispiel Allergien bei Menschen auslösen, die Substratphysik beeinflussen (Gasaustausch, Wasseraufnahme), zur Selbsterhitzung und Nährstoffimmobilisierung führen und schließlich durch sichtbares Pilzmyzel oder Fruchtkörper die Pflanzen unverkäuflich machen. Da es keine zugelassenen Fungizide gegen die Substratverpilzung gibt, bleiben nur kulturtechnische Maßnahmen wie Hygiene (kurze, saubere Lagerung), Trockenhalten oder Lüften und notfalls Absammeln der Pilzfruchtkörper oder Vernichten der betroffenen Kulturen. Er machte darauf aufmerksam, dass es beim IVG jetzt eine Neuauflage des Buchs "Saprophytische Pilze in Kultursubstraten" gibt, das er zusammen mit dem Pilzexperten Prof. Dr. Gunter Schlechte verfasst hatte.
Gärreste als Option
Sascha Hermus vom 3N Kompetenzzentrum wies auf die großen Möglichkeiten hin, die Gärreste als Substratausgangsstoffe bieten können. Allein in Niedersachsen wurden 2023/24 18,74 Millionen Tonnen Gärreste erzeugt, aber da nur etwa 22 % der Wirtschaftsdünger in Biogasanlagen verarbeitet werden, seien noch deutliche Steigerungen möglich.
Im Rahmen des Projekts Projekt BiTop soll eine Praxisanlage errichtet werden, in der nach dem NuTriSep-Verfahren der Firma Geltz der Nährstoffgehalt der Gärreste und weitere Parameter derart angepasst werden, dass diese in hohen Anteilen in Substraten eingesetzt werden können. Ebenso werden weitere dezentrale Verfahren zur Aufbereitung von Gärresten ausgiebig getestet. In ersten Kulturversuchen der Firma Gramoflor seien sehr gute Kulturergebnisse mit solchen prozessierten Gärresten erzielt worden. "Wir haben hier ein Material, das das Zeug dazu hat, ein guter Torfersatz zu werden", schloss Hermus seinen Vortrag.
Substratfähige Komposte von großer Bedeutung
Karin Luyten-Naujoks von der Gütegemeinschaft Kompost berichtete, dass von den 8,3 Millionen Tonnen Input-Material, die in den 603 Kompostierungsanlagen ihrer Mitgliedsbetriebe jährlich zu Kompost verarbeitet werden, etwa 49 % in den Ackerbau fließen. 25 % gelangen in Erdenwerke und nur 2,1 % in den Profigartenbau.
1,58 Millionen Tonnen werden als Frischkompost verkauft, 2,51 Millionen Tonnen als Fertigkompost, wegen der hohen Untersuchungskosten aber nur 70.000 t als gütegesicherter Substratkompost. Etwa 1,2 Millionen Tonnen der Fertigkomposte gingen aber als "substratfähige Komposte" in die Erdenindustrie. Davon seien 21 % der Biogut-Komposte substratfähig und etwa 49 % der Grüngut-Komposte.
Sie bemängelte, dass noch zu viel holzhaltiges Grüngut in die thermische Verwertung (Verbrennung) gehe, statt in die gesetzlich favorisierte stoffliche Verwertung (Kompostierung). Die Sammlung von Grüngut und die stoffliche Verwertung müsse dringend vorangetrieben werden.
Hydrogele für Topfpflanzen schlecht geeignet
Peter Tiede-Arlt vom Versuchszentrum Gartenbau der LWK Nordrhein-Westfalen in Straelen untersuchte die Wirkung von Hydrogelen in torffreien Substraten für Topfpflanzen und Stauden. Die Hydrogele sollen Wasser speichern und bestehen aus sehr unterschiedlichen Bestandteilen, manche enthalten auch Mikroplastik. Die Substratkosten der von ihm geprüften Kulturen stiegen dadurch um 1-24 Cent pro Pflanze.
Kulturtechnisch fiel auf, dass manche der Produkte Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor immobilisierten, also zu latentem Nährstoffmangel führen konnten. Bei Pflanzen auf Freilandkulturflächen drohe außerdem Substratvernässung, vor allem im Herbst. Darüber hinaus könnten Hydrogele erst direkt vor dem Topfen eingemischt werden, was zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeute. Für die Einmischung in Topfsubstrate bewährten sich diese Produkte in den Versuchen also nicht.
Wettbewerb in Niedersachsen
Dr. Kea Ovie vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz rief dazu auf, am Wettbewerb "Torfreduziert in Niedersachsen– innovativ und nachhaltig für den Garten von morgen" teilzunehmen. Sowohl Erdenwerke als auch Gartenbaubetriebe und Gartencenter in Niedersachsen können sich bewerben, es winken Preisgelder bis 5.000 € und Ehrungen durch Ministerin Miriam Staudte auf der Landesgartenschau in Bad Nenndorf 2026.
Der nächste IVG Branchentag Substrate am 19.11.2026 findet nicht mehr wie gewohnt in Bad Zwischenahn statt, sondern in Cuijk, südlich von Nijmegen in den Niederlanden.
Beltz, Heinrich (2025): TASPO 47/2025
Impressionen vom IVG-Branchentag 2025
Artikel von top agrar (04.07.2025)
In einem Beitrag der top agrar (Rubrik top plus – Geschäftsmodell für Biogas) berichtet Hinrich Neumann über aktuelle Ansätze, aufbereitete Gärreste als klimafreundliche Alternative zu Torf in Gartenerden zu nutzen.
Torfersatz aus Gärresten
Aus Klimaschutzgründen soll ab 2026 kein Torf mehr in Gartenerden verwendet werden. Es gibt verschiedene Ansätze zur Produktion von Torfersatz. Eines davon ist aufbereiteter Gärrest.
Torf spielt in gärtnerischen Kultursubstraten eine wichtige Rolle. „Aus Sicht der Erdenhersteller hat er bestechende, gleichbleibende Eigenschaften: einen niedrigen pH-Wert, fast keine Nährstoffe, gute Wasserhaltekraft und viel Struktur“, sagt Ulrike Fockenberg, Leiterin Nachhaltige Produktentwicklung beim Substrathersteller Gramoflor aus Vechta, kürzlich auf dem Biogas-Innovationskongress in Osnabrück.
Derzeit sind in Deutschland noch ca. 8000 ha landwirtschaftliche Fläche für den Torfabbau genehmigt. Davon befinden sich aber tatsächlich nur noch etwa 2000 ha im aktiven Abbau. 4,7 Mio. m3 Torf wurden 2024 in gärtnerischen Erden und Substraten eingesetzt.
Doch der Torfabbau ist auch aus Klimaschutzgründen umstritten. Im Klimaschutzprogramm 2030 hat sich die Bundesregierung daher verpflichtet darauf hinzuwirken, dass im Freizeitgartenbau auf den Einsatz von Torf bis 2026 verzichtet wird. Im Erwerbsgartenbau soll bis 2030 ein weitgehender Ersatz von Torf stattfinden. Das ist für die Industrie eine große Herausforderung: 2024 wurden in Deutschland knapp 8 Mio. m3 Substrat verkauft, zeigt eine Statistik des Industrieverbandes Garten. Bisher werden vor allem Holzfasern, Komposte und Kokosmark als Torfersatz verwendet.
Die Firma Geltz Umwelttechnologie aus Mühlacker (Baden-Württemberg) arbeitet seit mehreren Jahren an Verfahren, um Nährstoffe aus Nebenstoffströmen von Kommunen, der Industrie oder Landwirtschaft (z.B. Gärresten) zu isolieren und daraus pflanzenverfügbare Einzelnährstoff-Dünger herzustellen. Diese sollen eine Alternative zu energieintensiv synthetisierten oder importierten Mineraldüngern sein und den Nährstoffkreislauf landwirtschaftlicher Systeme schließen. „Es bleibt aber immer auch organisches Material zurück, das wir so aufbereiten, dass es als Kultursubstrat verwendet werden kann“, sagt Benedikt Müller von Geltz Umwelttechnologie.
In dem Projekt „Upcycling Plus“ arbeitet das Unternehmen daran, einen Torfersatz mit vergleichbaren Eigenschaften wie Torf großtechnisch herzustellen. In einem mehrstufigen Prozess mit Ansäuerung, Separation, und Hygienisierung entsteht ein Produkt als Basis für Kultursubstrate. „Das Besondere ist, dass der Landwirt Nährstoffe für den eigenen Betrieb erhält und damit weniger Mineraldünger kaufen muss und sich mit dem Torfersatz ein zusätzliches Geschäftsmodell erschließen kann“, sagt Müller.
Gramoflor ist an dem Forschungsprojekt BiToP beteiligt, bei dem das Geltz-Verfahren zum Einsatz kommt. BiToP folgt auf das Projekt NaProBio, bei dem die Eignung des Verfahrens im kleinen Maßstab getestet wurde. „BiToP könnte den Durchbruch zu einem neuen Torfsubstitut bedeuten“, sagt Fockenberg. Was für sie Erfolgsfaktoren sind:
- Gärrest fällt an rund 9000 Biogasanlagen in Deutschland an.
- Die Eigenschaften wie einstellbarer pH-Wert, geringe Nährstofffrachten, Wasserhaltevermögen, Geruchsneutralität usw. sind durch das neue Verfahren gegeben.
Neumann, H. (2025): „Gute Erfahrungen mit Torfersatz aus Gärresten“, top agrar – top plus, 4. Juni 2025.